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Und wie war es in der DDR?

Die DDR-Regierung schließt Bildungskooperationen mit ausländischen Parteien und Regierungen ab, um Schüler*innen im sozialistischen Geiste in Internatsschulen in der DDR zu erziehen.

Fahnenappell im Käthe-Kollwitz-Heim in Moritzburg
©SLUB/Deutsche Fotothek, Erich Pohl

Als Staat mit einem antifaschistischen Grundverständnis setzt sich die DDR in Opposition zu Nationalsozialismus und Kolonialismus. Das Bildungssystem wird zunächst als antifaschistisch-demokratisch und später als sozialistisch entworfen. Bildungskooperationen mit ausländischen Parteien und Regierungen, die aus antikolonialen Befreiungsbewegungen hervorgehen und sich für einen nicht-kapitalistischen Entwicklungsweg entscheiden, dienen dazu, zum Wiederaufbau ihres Landes beizutragen. Für die Schüler*innen werden eigene Lehrpläne entwickelt und Internatsschulen gebaut.

Nachdem sich Nordvietnam vom französischen Kolonialregime befreit, schließt es im Jahr 1955 mit der DDR ein Abkommen ab: 350 Kinder ehemaliger antikolonialer Kämpfer*innen leben und lernen im Käthe-Kollwitz-Heim in Moritzburg. Bis heute nennen sie sich ‘Moritzburger’.

Auch die Volksrepublik Mosambik schließt mit der DDR einen Vertrag ab. Aus mehreren internationalen Angeboten zur Bildungszusammenarbeit entscheidet sich Mosambik für die DDR. 1982 reisen 899 mosambikanische Kinder in die DDR ein und besuchen hier die Schule der Freundschaft in Staßfurt. Die eigens für sie erbaute Schule mit angeschlossenem Internat ist bis 1988 unter der Woche ihr Zuhause. Die Wochenenden und Ferien verbringen die Schüler*innen bei Gastfamilien in der Stadt und in der Umgebung. Doch das Ziel, die Kinder auf den sozialistischen Aufbau Mosambiks vorzubereiten, läuft ins Leere: Nach einem Wechsel der politischen Führung des Landes erkennt Mosambik die DDR-Abschlüsse nicht an.

Kinder aus Namibia leben ebenfalls zeitweise in der Schule der Freundschaft und besuchen die Polytechnische Oberschule Willy Wallstab in Löderburg in eigenen Klassen. Wie auch für die mosambikanischen Schüler*innen werden für sie der Lehrplan und die Lehrmaterialen sprachlich, kulturell und landeskundlich angepasst.

Andreas Shiyoo (mittlere Reihe, 3. v. L.) war eines der 400
namibischen Kinder, die in der DDR aufwuchsen ©Andreas Shiyoo

Die getrennte Beschulung beruht in der DDR auf den jeweiligen Vereinbarungen zwischen den Vertragsparteien. Alle anderen Schüler*innen, die dauerhaft in der DDR leben, besuchen den regulären Unterricht des einheitlichen Schulsystems. Die strukturelle Gleichstellung aller Schüler*innen und die solidarische Bildungskooperation bedeuten allerdings nicht, dass der Lehrplan, die Kommunikation und der Alltag frei von Rassismus sind. Auch die Selbstdarstellung als Staat, der sich weder im Unterricht noch an anderer Stelle mit der deutschen Verstrickung in Kolonialismus und Nationalsozialismus als Teil der eigenen Geschichte beschäftigen muss, hat Folgen – nicht nur für Schüler*innen und Lehrer*innen of Color.