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"Bildung Made in Germany"?

Deutsche Auslandsschulen sind ein zentraler Bestandteil der auswärtigen Kulturpolitik. Weltweit werden ‘deutsche’ und ‘inländische’ Kinder nach dem deutschen Lehrplan ausgebildet.

Deutsche Schule in Tsumeb, 'Deutsch-Sudwest', heutiges Namibia, Anfang 20.
Jahrhundert ©Bildarchiv der Deutschen Kolonialgesellschaft,
Universitätsbibliothek Frankfurt am Main

Die erste deutsche Auslandsschule wird 1557 in Kopenhagen eröffnet. Es folgen weitere, zunächst in anderen europäischen Ländern, gegen Ende des 19. Jahrhunderts auch weltweit. Da sie zunehmend vom Staat finanziell unterstützt werden, ist ihre Existenz von Kolonialismus und Nationalsozialismus, von Kriegen, Auf- und Abschwüngen und anderen politischen Ereignissen abhängig. Heute gibt es weltweit 140 deutsche Auslandsschulen.

‘Deutsche’, die sich aus beruflichen oder privaten Gründen im Ausland aufhalten, lassen ihre Kinder dort nach dem deutschen Schulsystem und Lehrplan ausbilden. Seit den 1970ern werden die Schulen meist ‘Begegnungsschulen’ genannt. Sie dürfen inzwischen auch von ‘inländischen’ Schüler*innen besucht werden, wenn kein ‘deutsches’ Kind den Platz beansprucht. Vorausgesetzt wird, dass ein Elternteil des ‘inländischen’ Kindes gut Deutsch spricht und die Familie das für sie meist hohe Schulgeld aufbringen kann. Ob der Unterricht für ‘deutsche’ beziehungsweise ‘inländische’ Schüler*innen gemeinsam oder getrennt durchgeführt wird, hängt unter anderem von der jeweiligen zwischenstaatlichen Vereinbarung ab.

Die Deutsche Schule Kuala Lumpur (DSKL) bietet den Schüer*innen nur Deutsch und Englisch an, die Landessprache Bahasa Malaysia ist nicht Teil des Lehrplans.

Tatjana, Iskar und Iris (Jahrgang 1983/84) – ehemalige Schüler*innen der Deutschen Schule Kuala Lumpur tauschen sich über ihre Schulerfahrungen aus.

Obwohl die Deutsche Internationale Schule Johannesburg anstrebt "[…] andere Kulturen und Nationalitäten im täglichen Umgang wert[zu]schätzen, die Mehrsprachigkeit der SchülerInnen [zu] fördern, als Zentrum interkultureller Begegnung [zu] wirken", wird keine der indigenen Landessprachen angeboten; auf dem Lehrplan stehen Deutsch, Englisch, Afrikaans und Französisch.

Deutsche Internationale Schule Johannesburg in Südafrika, 2018 ©Savo Ceprnich

An der Deutschen Evangelischen Oberschule Kairo lernen die ‘ägyptischen’ Kinder nach dem deutschen und dem ägyptischen Lehrplan und legen die Abschlüsse beider Schulsysteme ab. Für ‘deutsche’ Kinder gilt nur der deutsche Lehrplan; Arabisch wird nach Englisch und Französisch als dritte Fremdsprache unterrichtet und ist nicht versetzungsrelevant.

Im Lehrplan der Deutschen Schule Toulouse heißt es: "Ein wesentliches Ziel der DS Toulouse besteht darin, ihre Schülerinnen und Schüler zügig in Verständnis und Gebrauch der französischen Sprache einzuführen, um ihnen so den Zugang zum Gastland und seiner Kultur zu erleichtern."

Wie die Begegnung zwischen ‘deutschen’ und ‘inländischen’ Kindern gestaltet wird, unterscheidet sich von Schule zu Schule. Während in Deutschland dem Erlernen der deutschen Sprache eine zentrale Bedeutung zur ‘Integration’ beigemessen wird, hält die deutsche auswärtige Kulturpolitik das Erlernen so mancher Landessprache an den ‘Begegnungsschulen’ für entbehrlich.

Manche ehemaligen Schüler*innen arbeiten in deutschen Auslandsvertretungen und internationalen Firmen. Andere wiederum nehmen kritisch Abstand: So berichten weiße Schüler*innen von verpassten Chancen und Schwarze Schüler*innen und Schüler*innen of Color von erlebtem Rassismus und vielfältiger Diskriminierung.