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‘DDR-Kinder’ aus Namibia

In den 1980er Jahren werden ca. 400 namibische Kinder in der DDR sozialistisch erzogen. Als künftige Elite der freien Nation Namibia sollen sie das Land nach der Befreiung wieder aufbauen.

Gruppe IV an der Schule der Freundschaft in Staßfurt, 1986 ©Heinz Berg

Von 1979 bis 1989 reisen die Kinder im Alter zwischen drei und sieben Jahren in die DDR ein. Sie kommen aus Lagern in Angola und Sambia, die an der Grenze zum heutigen Namibia hauptsächlich SWAPO-Angehörige auf der Flucht aufnehmen. Die South West African People‘s Organization (kurz: SWAPO, deutsch: Südwestafrikanische Volksorganisation) kämpft für die Unabhängigkeit Namibias und die Befreiung vom Apartheidsregime Südafrikas, das damals Namibia besetzt hält. Die SWAPO vereinbart mit der DDR-Regierung, dass verwaiste und notleidende Kinder aus den Lagern sowie Kinder von SWAPO-Kämpfer*innen in der DDR in Sicherheit gebracht und dort ausgebildet werden.

Die ‘DDR-Kinder’ wachsen in einem Kinderheim in Bellin auf und besuchen eine allgemeinbildende Schule (POS für Polytechnische Oberschule) in Zehna, wo sie in eigens für sie eingerichteten Klassen unterrichtet werden. Diese Schule unterhält später zwei Klassen für namibische und zwei für DDR-Schüler*innen. Die namibischen Kinder werden von namibischen und von deutschen Pädagog*innen betreut und ausgebildet. Als immer mehr kleine Kinder nachkommen, leben ab dem Schuljahr 1985/86 die Größeren in der Schule der Freundschaft in Staßfurt und besuchen die POS in Löderburg.

Der Alltag der Kinder ist straff organisiert, sie haben viele Verpflichtungen und müssen strenge Regeln befolgen. Doch die Kinder halten zusammen und bilden ihre eigene Sprache heraus: Oshideutsch vereinigt Deutsch mit Oshivambo, eine der vielen Sprachen, die in Namibia gesprochen werden. So können sie sich untereinander verständigen, ohne von den nur deutsch- oder nur oshivambo-sprachigen Pädagog*innen verstanden zu werden.

Nach der Auflösung der DDR und der Unabhängigkeit Namibias werden die ‘DDR-Kinder’, wie sie bis heute genannt werden, nach Namibia ‘überführt’.

Vor dem Kinderheim Jagdschloss Bellin, um 1980 ©Archiv Heinz Berg