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Das Europäische nicht als Vorbild nehmen

Schwarze Mädchen in ‘deutschen Kolonien’ werden in Missionsschulen für den Dienst in den Haushalten der weißen Siedler*innen erzogen. Ihr Widerstand wird von den weißen Lehrer*innen umgedeutet.

Aus Berichten von Lehrer*innen geht hervor, dass sich die Mädchen* gegen
die Ungerechtigkeit und die Unterdrückung im kolonialen Schulsystem
zur Wehr setzen ©Jolan Attia Cantzen

In ‘deutschen Kolonien’ werden Schulen nach ‘Hautfarbe’ und ‘Geschlecht’ getrennt organisiert. Schwarze Mädchen* werden in ‘Mädchenklassen’ und ‘Mädchenanstalten’ in Tätigkeiten unterwiesen, die sie später als Bedienstete in Haushalten weißer Siedler*innen zu verrichten haben: Nähen, Häkeln, Stricken, Sticken, Stopfen, Flicken und Wäsche plätten. Sie sollen in Missionsschulen auch zu "christlichen Gattinnen, Hausfrauen und Müttern" erzogen werden.

Lokale Vorstellungen von Familien- und Gesellschaftsordnungen werden durch das bürgerliche, europäische Hausfrauen*modell zu ersetzen versucht und die rassistische Ordnung des kolonialen Systems in die Haushalte der Siedler*innen integriert: Die afrikanischen Mädchen* werden aus ihren Familien und sozialen Strukturen herausgenommen, um als Haus- oder Kindermädchen* in weißen Familien zu arbeiten. Nur ganz wenigen Schwarzen Mädchen* wird der Zugang zu kolonialer höherer Bildung ermöglicht mit dem Ziel, sie für die Interessen der Kolonialverwaltung auszubilden.