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Hegemonial

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hegemonie/hegemonial

griech: „Führung“
Im Kontext politischer Herrschaft bezeichnet Hegemonie die wirtschaftlich, militärisch und/oder kulturell begründete Vorherrschaft bzw. Vormachtstellung eines Staates gegenüber einem oder mehreren anderen Staaten.

Aus sozialwissenschaftlicher Sicht beanspruchen innerhalb von Gesellschaften bestimmte dominante Gruppen (die keine gesellschaftliche Mehrheit darstellen müssen) eine Vormachtstellung, deren Legitimation meist an bestimmte gesellschaftliche Normen geknüpft ist. Ein Beispiel für eine kritische Theoretisierung und Dekonstruktion von komplexen hegemonialen Machtgefügen ist das Konzept der hegemonialen Männlichkeit der australischen Soziologin Raewyn Connell. Nach Connell muss vor allem eine bestimmte Gruppe von Männern* (weiß, bürgerlich, Cis-heterosexuell) durch Erniedrigung und Dominanz marginalisierter Gruppen (also bspw. Frauen* und Trans-Männer*, queere und rassifizierte Männer* sowie Männer* mit Behinderungen) ihre Vorherrschaft immer wieder neu legitimieren. Dabei kommt es zu einer kontinuierlichen Reproduktion der hegemonialen weiß-bürgerlichen, Cis-heterosexuellen (ableisierten und christlichen) Norm. Die dominierenden Gruppen einer kulturellen Hegemonie kennzeichnen sich dadurch, dass sie die Deutungshoheit über zentrale gesellschaftliche Themen besitzen und demnach ihre eigenen Interessen als gesamtgesellschaftliche Interessen ausgeben und durchsetzen können.

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