Glossar

Postkolonial

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Postkoloniale Kritik und Theorie besteht aus einer Vielzahl von Ansätzen, die offenlegen, wie rassistische und eurozentristische Narrative, Denkmuster und Wissensproduktionen den Kolonialismus ideologisch legitimierten und auch fortwährend weiterhin legitimieren.

Zentrale Gegenstände postkolonialer Theorie sind unter anderem Prozesse des Otherings. Othering benennt ein Konzept, welches auf zwei Ebenen gleichzeitig funktioniert: Nicht nur, wird das Selbst, mit positiven, wertschätzenden Zugehörigkeits-Attributen belegt, es wird auch gleichzeitig in direktem Kontrast ein Gegenbild dazu geschaffen. Dieses Gegenbild wird dann mit negativen Attributen belegt, im Kontext dieser negativen Charakteristika rassifiziert und dadurch schlussendlich zu dem oder die „Anderen“ konstruiert. Auch Machthierarchien und Ausbeutungsprozesse werden in postkolonialen theoretischen Auseinandersetzungen beleuchtet.Stichworte hier wären Teile & Herrsche, Matrix of Domination (Patricia Hill Collins) oder bspw. Marginalisierung durch (mangelnde oder falsche) kulturelle und politische Repräsentation und Wahrnehmung. Zuletzt sind aber auch (selbst-)ermächtigende Konzeptionen von Handlungskompetenz zu nennen. Diese stellen koloniale (Ohn-)Machtkonzepte infrage mit dem Ziel von Rassismus betroffene Personen zu ermächtigen sich mit der Konstruktion ihres Status eines vermeintlichen handlungsunfähigen Objekts zu befreien.


Der bisweilen synonym zu Postkolonialer Theorie verwendete Begriff „Postkoloniale Kritik“ rückt das politische Engagement stärker in den Fokus. Postkolonial wird oft synonym mit dem Begriff „dekolonial“ verwendet, tatsächlich unterscheiden sich jedoch die jeweiligen Theorien, Konzepte und Zugänge.

Als Ausgangspunkt Postkolonialer Theorie wird häufig Edward Saids Studie „Orientalismus“ von 1978 angeführt. Während Postkoloniale Ansätze je nach Gegenstand und wissenschaftlichem Erkenntnisinteresse variieren, spielen Kontextualisierung und das Aufzeigen von Kontinuitäten stets eine zentrale Rolle. Theoretiker*innen verschiedener postkolonialer Schulen haben gemein, dass sie Kolonialismus als fortwährendes Projekt auffassen, in dem (neo-)koloniale Gewalt weiterhin ausgeübt wird (z.B. ökonomisch, militärisch oder diskursiv).
    

Quellen:
https://www.bpb.de/apuz/146971/kolonialismus-und-postkolonialismus
https://gender-glossar.de/p/item/41-postkoloniale-theorie

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