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Rassifizierung

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Rassifizierung bezeichnet einen ideologischen Prozess, der auf der biologistischen Konstruktion von “Menschenrassen” beruht, denen jeweils spezifische Eigenschaften und Verhaltensweisen zugeordnet werden.

Der Begriff Rassifizierung wird in einer Realität verwendet, in der weiß die (unmarkierte) Norm darstellt, während alle nicht-weißen Personen rassistisch markiert (rassifiziert) werden.

Rassifizierung basiert auf Prozessen des Otherings, bei denen sich weiße Menschen als positiven Gegenentwurf zu als essentiell anders konstruierten Menschengruppen selbst definieren. Dabei betrachten sie sich als überlegen und „zivilisierter“ an der Spitze einer konstruierten „Rassenhierarchie“. In Rassifizierungsprozessen werden vermeintliche und/oder bisweilen tatsächliche Unterschiede zu Gruppenmerkmalen zusammengefasst und zum kulturell, religiös oder biologisch bedingten “Wesen” dieser Gruppe erklärt (Essentialismus). Demnach sind “Rasse”, “Kultur”, “Ethnie” oder “Religion” – als jeweils homogene und essenzielle Merkmale einer Gruppe, die der weißen westlichen Kultur asymmetrisch gegenübergestellt werden – ein Effekt von Rassifizierung und nicht umgekehrt. In Bezug auf Rassismus bedeutet dies, nach der deutschen Historikerin Fatima El-Tayeb, dass Rassismus keine Fremden brauch, um zu existieren, sondern er sie vielmehr produziert. Kulturalisierung und Ethnisierung stellen gegenwärtige Ausprägungen von Rassifizierung dar.

Es gibt bereits seit vielen Jahren Diskurse und Debatten um den Begriff „Rasse“, so z.B. auch aktuell bzgl des Grundgesetzes, darüber, ob „Rasse“ ein diskriminierender Begriff sei oder eine für die Bekämpfung und Benennung von Rassismus notwendige Kategorie.

Quellen:
https://www.bpb.de/apuz/180854/rassismus-nicht-beim-namen-nennen

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