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Otto Rosenberg

"Und ich habe mich auch zur Wehr gesetzt."

Auf dem Familienfoto ist Otto Rosenberg (2. v. links) mit Geschwistern
und Mutter abgebildet, Ausschnitt von einer Gedenktafel in der
Gedenkstätte Zwangslager Berlin-Marzahn

Otto Rosenberg wird 1927 im ostpreußischen Draugupönen geboren und wächst in Berlin auf. Im Sommer 1936 verschleppt die Gestapo den Neunjährigen und seine Familie ins Zwangslager Berlin-Marzahn. Dort muss er unter menschenunwürdigen Bedingungen leben, darf keine reguläre Schule mehr besuchen und wird rassistischen ‘Untersuchungen’ und ‘Erhebungen’ unterzogen.

Mit 13 Jahren wird Otto zur Arbeit in einem Rüstungsbetrieb zwangsverpflichtet. Dort wird er 1942 denunziert und wegen angeblicher Sabotage ins Gefängnis nach Moabit überstellt, wo er vier Monate in Einzelhaft verbringen muss. Von dort aus wird er im Frühjahr 1943 nach Auschwitz deportiert. Er überlebt als Einziger von elf Geschwistern.

Bald nach Kriegsende beginnt Otto Rosenberg politisch zu arbeiten. Er kämpft für die gesellschaftliche Gleichstellung von Sinti*zze und Rom*nja und wird zu einer wichtigen Stimme der Bürgerrechtsbewegung. 1978 gehört er zu den Mitbegründer*innen der Cinti Union Berlin, dem heutigen Landesverband Deutscher Sinti und Roma Berlin-Brandenburg, und wird dessen langjähriger Vorsitzender. Außerdem ist er als Vorstandsmitglied des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma tätig. Er stirbt 2001 in Berlin.

Gedenkstätte Zwangslager Berlin-Marzahn, Aufnahme von 2019
©Jolan Attia Cantzen

"Neben die Polizeibaracke kam eine Schulbaracke, denn wir durften die Volksschule nicht mehr besuchen. Das war für uns das Aus. Die große Schule in Berlin-Marzahn, gleich neben der Dorfkirche, durften wir nicht besuchen. Wir hatten nur einen Lehrer. Es gab zwar mehrere Klassen, aber nur zwei Räume. Einer war für die ganz Kleinen. Einen Teil der Bücher bekamen wir umsonst, aber wir mussten auch etwas dazuzahlen. Wir besaßen ein Rechenheft, ein Schmierheft, ein Schönschreibheft, eine Lesefibel und ein Rechenbuch. Mehr hatten wir nicht, das war‘s. Viel gelernt haben wir nicht."

"Der Lehrer, der war immer unter Strom. Ja? Und der kam dann rein und nahm seinen Zeigestock und zeigte uns, wo die deutschen Truppen jetzt liegen. Aber das war nicht unser Interesse, wo unsere deutschen Truppen liegen. Und dann ging der rüber zur Bauersfrau und hat sich mit der unterhalten und hat gesagt: ‘Otto, pass mal auf, dass die das, was ich da anschreibe an der Tafel, abschreiben.’ Das war eigentlich alles. […] Und da kann man auch nix lernen."

"Ich bin damals, als Kind schon, diskriminiert worden, aber als Kind fasst man das anders auf. Und ich habe mich auch zur Wehr gesetzt. Den Kindern gegenüber, die mich diskriminiert haben. Ich ging immer in Holzpantoffeln, ich nehme an, weil das Geld für Schuhwerk fehlte. Und mit diesen Holzklotzen habe ich mir Respekt verschafft. Die waren dafür sehr geeignet. Die Kinder schnallten die Schulmappe vorne auf die Brust. So spielten sie Flugzeug, und dabei rempelten sie mich an und beschimpften mich auch [….] Ich habe deshalb auch einen Polizistensohn einmal mit meinen Pantinen verhauen."